{"id":251,"date":"2018-03-19T09:31:03","date_gmt":"2018-03-19T08:31:03","guid":{"rendered":"http:\/\/blogs.tib.eu\/wp\/fis\/?p=251"},"modified":"2023-10-19T14:26:56","modified_gmt":"2023-10-19T12:26:56","slug":"systemwahl-kit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.dini.de\/EPub_FIS\/2018\/03\/19\/systemwahl-kit\/","title":{"rendered":"Modular und flexibel: Entwicklung eines Forschungsinformationssystems am Karlsruher Institut f\u00fcr Technologie (KIT)"},"content":{"rendered":"<h2>Die Vorgeschichte: Die Einrichtung eines Forschungsinformationssystems ist mehr als nur ein IT-Projekt<\/h2>\n<p>Das Thema Forschungsinformationen hat am KIT eine lange Historie. Das KIT entstand 2009 aus der Fusion einer Universit\u00e4t und einem Helmholtz-Zentrum und ist heute mit \u00fcber 9.000 Besch\u00e4ftigten eine der gr\u00f6\u00dften Forschungseinrichtungen Europas. Entsprechend komplex sind die Anforderungen an ein Forschungsinformationssystem: An beiden Standorten gab es langj\u00e4hrige zentrale Verzeichnisse der Forschungsinformation, aber dennoch waren die Prozesse der Datenerfassung, die Berichtsanforderungen sowie die \u201eKulturen\u201c des Einbezugs von Wissenschaftler\/innen sehr unterschiedlich. Der erste Anlauf, am KIT ein integriertes Forschungsinformationssystem zu etablieren, startete 2010 kurz nach der Gr\u00fcndungsphase der neuen Forschungseinrichtung und war von (zu) vielen Erwartungshaltungen gepr\u00e4gt. Zentrale Prozesse um ein einheitliches und integriertes Informationsmanagement waren am \u201ejungen\u201c KIT noch v\u00f6llig ungekl\u00e4rt und mussten erst in den Gremien entsprechend platziert werden. Trotz der strategischen Verankerung des Projekts beim CIO waren die eigentlichen Treiber die KIT-Bibliothek und die Abteilung Forschungsf\u00f6rderung, die beide das Projekt auch zur Abl\u00f6sung veralteter Infrastrukturen nutzen wollten. Man entschied sich in der ersten Phase f\u00fcr ein kommerzielles Produkt, das versprach, die komplexen Prozesse am KIT abbilden zu k\u00f6nnen. Im Fokus stand die Implementierung eines FIS-Standardsystems. Um es vorweg zu nehmen: Das Projekt wurde eingestellt. Zum einen hatte das noch \u201ejunge\u201c KIT auf organisatorischer Seite noch zu viele Prozesskl\u00e4rungen offen, zum anderen erwies sich die Einf\u00fchrung einer kommerziellen Softwarel\u00f6sung f\u00fcr eine so gro\u00dfe Forschungseinrichtung mit sehr vielen unterschiedlichen Anforderungen als zu monolithisch und f\u00fcr die Belange des KIT als nicht ausreichend.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h2>Vom Standardsystem zum modularen Ansatz<\/h2>\n<p>Nach Evaluation verschiedener Alternativen entschloss sich das KIT schlie\u00dflich, ein Forschungsinformationssystem als \u201emodulares System\u201c aufzubauen und weitgehend in Eigenregie innerhalb der Einrichtung voranzutreiben. Dazu wurde das Projekt auf organisatorischer Ebene noch einmal v\u00f6llig neu aufgestellt: Strategisch ist es nun auf oberster Ebene als Teil eines am KIT entstehenden Management-Informationssystems platziert. Beteiligte sind wie im Vorg\u00e4ngerprojekt die KIT-Bibliothek und die Abteilung Forschungsf\u00f6rderung, aber es wurden weitere Teilprojekte zur Anbindung weiterer IT-Systeme am KIT (u.a. Angebots- und Auftragsmanagement, die Abteilungen f\u00fcr Vertr\u00e4ge und Transferleistungen\/Patente sowie Promotionen) sowie zur Integration von Stammdaten gegr\u00fcndet.<br \/>\nDer modulare Ansatz vereint verschiedene IT-Systeme f\u00fcr Basisdaten mit einem \u00fcbergeordneten Aggregationssystem zur Bereitstellung aggregierter Daten. Die notwendige Klammer, die die Aggregation erm\u00f6glicht, ist die Verwendung gleicher Stammdaten in allen Modulen des Forschungsinformationssystems. Konzeptionell wird das Forschungsinformationssystem als \u201eFIS by contract\u201c verstanden. Damit ist ein Vorgehen umschrieben, das sowohl die einheitliche und klare Definition von Schnittstellen, Datenmodellen und Metadaten als auch die aktuelle, konsistente und transparente Bereitstellung derselben durch die verschiedenen Module bzw. \u201eBasissysteme\u201c voraussetzt. Die Anforderungen an das Aggregationssystem werden im Projekt mit dem vielfachen Berichtsanforderungen am KIT abgestimmt, deren Bedarfe auch in die Umsetzung bzw. Weiterentwicklung der Basissysteme zur\u00fcckgespiegelt werden (z.B. im Hinblick auf Datenattribute). Parallel dazu erfolgt die Kl\u00e4rung von weiteren Berichtsanforderungen, die auch die umf\u00e4ngliche Umsetzung des KDSF beinhalten.<\/p>\n<p>Die sehr vielf\u00e4ltigen Services des modularen Forschungsinformationssystems werden in der Endstufe den Anwendern sowohl aus den einzelnen Basissystemen als auch aus dem Aggregationssystem entsprechend ihrer Rollen zur Verf\u00fcgung gestellt. Die Szenarien reichen dabei u. a. von der Erf\u00fcllung unterschiedlicher Berichtsanforderungen bis hin zur Bef\u00fcllung von Forschungsprofilen und automatisch generierten Publikationslisten.<br \/>\nEin ganz starker Fokus wurde bei der Neukonzeptionierung des Forschungsinformationssystems auf Nachnutzungsszenarien und damit verbunden auf die Interoperabilit\u00e4t der verschiedenen Basisdienste innerhalb des modularen Forschungsinformationssystems gelegt: Wissenschaftler\/innen sollen freien Zugriff auf ihre Daten haben und IT-Systeme auf Seiten der Basisinfrastrukturen f\u00fcr den Aufbau weiterer potenzieller Mehrwertdienste entsprechend offen konzipiert sein.<\/p>\n<h2>Die Grundlage des modularen Forschungsinformationssystems \u2013<br \/>\nDie Basissysteme<\/h2>\n<p>Ab 2016 erfolgte ein schrittweiser Produktivstart von Modulen des Forschungsinformationssystems. Die Module bestehen aus Basissystemen, die die betreffenden Fachabteilungen (u.a. KIT-Bibliothek und Abteilung Forschungsf\u00f6rderung) mit unterschiedlichen Anforderungen, Datenmodellen und Prozessen selbst verantworten. Das schafft Flexibilit\u00e4t und reduziert die Anforderungen auf \u00fcberschaubare Arbeitspakete und Systeme. Bestehende Systeme bleiben erhalten bzw. werden in Eigenregie modernisiert, fehlende werden neu implementiert. Dieses pragmatische Vorgehen erleichtert die iterative Weiterentwicklung der Basissysteme anhand sich wandelnder Anforderungen. Die betreffenden Organisationseinheiten \u00fcbernehmen selbstverst\u00e4ndlich und dezentral die Pflege f\u00fcr ihre Prozesse und Infrastrukturen. Das kommt der Nachhaltigkeit und auch der Qualit\u00e4tssicherung zu Gute. Voraussetzung sind auch im modularen Forschungsinformationssystem des KIT einheitliche Stammdaten f\u00fcr Personen, Organisationen, Forschungsstrukturen aus einer autoritativen Quelle, die \u00fcber das Teilprojekt Stammdaten verantwortet werden. Die Erarbeitung von Schnittstellen aus den Basissystemen erfolgt hier in enger Kooperation unter den Modulen.<\/p>\n<h2>Die Anwendung im Forschungsinformationssystem &#8211;\u00a0Das Aggregationssystem<\/h2>\n<p>Auf Seiten der IT-Infrastrukturen haben alle Basissysteme Schnittstellen f\u00fcr den Output in ein entstehendes und noch zu entwickelndes Aggregationssystem bereitzustellen. Das Aggregationssystem soll langfristig als zentrales Informationssystem aggregierte Daten f\u00fcr die Anwender verf\u00fcgbar machen. Dabei sind viele Details noch offen und werden iterativ besprochen und umgesetzt. Das betrifft zum Beispiel Fragen der Abgrenzung zwischen Basis- und Aggregationssystemen auf der operativen Ebene oder die Vorhaltung von Daten in Form von ad-hoc Abfragen aus Basissystemen oder zentraler Vorhaltung.<\/p>\n<h2>Werkstattbericht eines Moduls &#8211; Das Basissystem der KIT-Bibliothek: Repository KITopen<\/h2>\n<p>Eine sehr positive Bilanz f\u00fcr dieses pragmatische Vorgehen zieht die KIT-Bibliothek, die im Zuge der Entwicklungsarbeiten ihr Repository <a href=\"http:\/\/www.bibliothek.kit.edu\/cms\/kitopen.php\">KITopen<\/a> auf vier S\u00e4ulen gestellt hat:<\/p>\n<ol>\n<li>KITopen-Erfassung<\/li>\n<li>KITopen-Katalog<\/li>\n<li>KITopen-Auswertungen<\/li>\n<li>KITopen-Publikationslisten<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>KITopen-Erfassung<\/strong> verf\u00fcgt mittlerweile \u00fcber ein modernes User-Interface mit entsprechender Rechteverwaltung, das die dezentrale Datenerfassung und Zuarbeiten von spezifischen Forschungsinformationen durch Wissenschaftler\/innen erm\u00f6glicht. Die prim\u00e4re Bef\u00fcllung mit Publikationsmetadaten erfolgt jedoch \u00fcber Schnittstellen in weitere Quelldatenbanken wie Scopus und Web of Science, die routinem\u00e4\u00dfig Publikationen von KIT-Wissenschaftler\/innen importieren. Das Repository ist in den zentralen Katalog der KIT-Bibliothek integriert (<strong>KITopen-Katalog<\/strong>). Der Service <strong>KITopen-Publikationslisten<\/strong> hat die Akzeptanz des Forschungsinformationssystems auf dem Campus regelrecht befl\u00fcgelt, denn alle Publikationsdaten k\u00f6nnen tagesaktuell \u00fcber eine einfache Konfiguration in das Content-Management-System des KIT eingebunden und im pers\u00f6nlichen und\/oder institutionellen Webauftritt \u00fcber unterschiedliche Darstellungs- und Sortieroptionen nachgenutzt werden. KITopen bietet weitere, offene Schnittstellen und Exportm\u00f6glichkeiten f\u00fcr weitere Anwendungsszenarien. Zentral f\u00fcr die Berichterstattung der Helmholtz-Gemeinschaft ist der Service <strong>KITopen-Auswertungen<\/strong>, der nicht nur die Basisdaten f\u00fcr die Berichte des k\u00fcnftigen Aggregationssystems liefert, sondern auch insgesamt die Prozesse der Datenerhebung und Qualit\u00e4tssicherung f\u00fcr die Berichterstattung optimiert hat.<\/p>\n<p>\u00dcber die Berichtsanforderungen und Mehrwertdienste eines Forschungsinformationssystems hinaus hat die KIT-Bibliothek im letzten Jahr die Volltext-Entit\u00e4t in KITopen vollst\u00e4ndig \u00fcberarbeitet und bietet nun moderne Open-Access-Workflows, die u.a. rechtliche Optionen der Zweitver\u00f6ffentlichung sowie Verlagspolices integrieren und die Bef\u00fcllung des Repository hinsichtlich der Open-Access-Indikatorik der Helmholtz-Gemeinschaft vorantreiben. Diese Flexibilit\u00e4t im Basissystem bedient Berichtspflichten und weitere strategische Zielsetzungen der KIT-Bibliothek gleicherma\u00dfen.<\/p>\n<h2>Bewertung und Ausblick<\/h2>\n<p>Die Vision am KIT ist nach wie vor dieselbe: Durch das Forschungsinformationssystem soll die Forschungsberichterstattung effizienter und Forschenden neue Mehrwerte bereitgestellt werden. Aber das Vorgehen im neuen und modularen Ansatz ist anders zu bewerten als im Vorg\u00e4ngerprojekt. Da die beteiligten Abteilungen ihre Basissysteme in Eigenverantwortung vorantreiben, passt die Entscheidung f\u00fcr eine modulare Eigenentwicklung zu den relativ eigenst\u00e4ndigen Organisationsbereichen und zeitversetzten Prozessen der Gro\u00dfeinrichtung KIT. Die oft sehr zeitaufw\u00e4ndige Abstimmung von heterogenen Anforderungen der Teilbereiche eines FIS-Standardsystems ist nach diesem Ansatz deutlich reduziert. Voraussetzungen sind allerdings die Bereitstellung erheblicher Kapazit\u00e4ten zur Entwicklung der Basissysteme sowie ein fachlich gut ausgearbeiteter Anforderungskatalog f\u00fcr die gemeinsam zu verwendenden Standards und Ressourcen. Sehr positiv zu bewerten ist, dass das KIT sich diesen Fragestellungen schrittweise innerhalb der unterschiedlichen Organisationseinheiten ann\u00e4hert und in der IT-Infrastruktur auch flexibel auf servicerelevante Anforderungen reagieren kann und wird. Von allen Beteiligten wird daher dieser erneute Anlauf des Forschungsinformationssystem als sehr erfolgreich bewertet, f\u00fcr den \u00fcber die Projektressourcen hinaus langfristig Personal aus dem Bestand zur Verf\u00fcgung gestellt wird. Denn, ein gutes Forschungsinformationssystem entsteht nicht einfach nur \u201e\u00fcber Nacht\u201c, sondern es handelt sich um ein langj\u00e4hriges Organisationsentwicklungsprojekt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Vorgeschichte: Die Einrichtung eines Forschungsinformationssystems ist mehr als nur ein IT-Projekt Das Thema Forschungsinformationen hat am KIT eine lange Historie. Das KIT entstand 2009 aus der Fusion einer Universit\u00e4t und einem Helmholtz-Zentrum und ist heute mit \u00fcber 9.000 Besch\u00e4ftigten eine der gr\u00f6\u00dften Forschungseinrichtungen Europas. 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