{"id":3481,"date":"2024-08-05T08:24:12","date_gmt":"2024-08-05T06:24:12","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.dini.de\/EPub_FIS\/?p=3481"},"modified":"2024-08-05T08:27:11","modified_gmt":"2024-08-05T06:27:11","slug":"open-gender-journal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.dini.de\/EPub_FIS\/2024\/08\/05\/open-gender-journal\/","title":{"rendered":"Integrit\u00e4t von wissenschaftlichen Ver\u00f6ffentlichungen: Der Ansatz des Open Gender Journals zu Artikel\u00e4nderungen"},"content":{"rendered":"\n<p>Zu den wichtigsten Anforderungen an wissenschaftliches Publizieren &#8211; auch in digitaler Form &#8211;\u00a0geh\u00f6rt, dass die Ver\u00f6ffentlichungen integer im Sinne von unverletzlich, datenstabil und konsistent sind. Anders als auf den meisten Websites, wo es nicht nur problemlos m\u00f6glich, sondern auch \u00fcblich ist, Inhalte mehr oder weniger stillschweigend zu modifizieren, aktualisieren oder depublizieren, ist es ein Qualit\u00e4tsmerkmal wissenschaftlicher Publikationsorgane, jede \u00c4nderung nach der Ver\u00f6ffentlichung transparent nachzuweisen und zu begr\u00fcnden. Dies stellt wissenschaftliche Zeitschriften vor die Herausforderung, klare Regeln f\u00fcr nachtr\u00e4gliche Ver\u00e4nderungen, Korrekturen oder den R\u00fcckzug von Artikeln aufzustellen. Dieser Beitrag zeigt, wie das Open Gender Journal dies in der Redaktionsarbeit umsetzt.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Dass die Entwicklung einer eigenen Umgangsweise mit Revisionen und R\u00fccknahmen \u00fcberhaupt Teil der Redaktionsarbeit ist, liegt am &#8222;Betriebsmodell&#8220; der Zeitschrift. Das Open Gender Journal ist eine wissenschaftsgeleitete Diamond-Open-Access-Zeitschrift f\u00fcr die intersektionale Geschlechterforschung. Die Zeitschrift wird von vier Gender-Studies-Einrichtungen gemeinsam mit der Fachgesellschaft Geschlechterstudien herausgegeben. Sie erscheint seit 2017 \u2013 zun\u00e4chst verlagsunabh\u00e4ngig; seit 2024 ist sie Teil des Programms des Open-Access-Universit\u00e4tsverlags Berlin Universities Publishing. Die Verantwortung f\u00fcr den Betrieb der Zeitschrift tr\u00e4gt in erster Linie die Redaktion, die sich aus Fachredakteur*innen sowie dem Editorial Management zusammensetzt. Dies hat zur Folge, dass beispielsweise Anfragen nach Korrekturen bereits publizierter Beitr\u00e4ge bei der Redaktion landen, von dieser entschieden, mit Hilfe des Redaktionssystems Open Journal System (OJS) umgesetzt und verantwortet werden m\u00fcssen. Die Zeitschrift kann sich dabei nicht auf eine etablierte Verlagspraxis berufen oder die Anfrage an eine Fachabteilung des Verlages delegieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus diesem Grund war die Besch\u00e4ftigung mit Artikelversionierung Teil eines Arbeitsschwerpunktes zur Erweiterung der Services und Verbesserung von Workflows f\u00fcr das elektronische Publizieren in einem DFG-gef\u00f6rderten Expansionshilfe-Projekt der Zeitschrift.<sup data-fn=\"02576268-2951-4db9-ac97-e404a488f2bc\" class=\"fn\"><a href=\"#02576268-2951-4db9-ac97-e404a488f2bc\" id=\"02576268-2951-4db9-ac97-e404a488f2bc-link\">1<\/a><\/sup> Ausgehend von der ab Version 3.2 von OJS zur Verf\u00fcgung stehenden M\u00f6glichkeit der Versionierung von Artikeln, der Auseinandersetzung mit Guidelines der Coalition of Publication Ethics (COPE) und konkreten Anwendungsf\u00e4llen hat sich das Projekt intensiv mit der Frage besch\u00e4ftigt, wann und wie das Open Gender Journal \u00c4nderungen an ver\u00f6ffentlichten Artikeln vornimmt. Ziel dieses Beitrags ist es, die Erkenntnisse des Open Gender Journal im Sinne eines kollektiven Aufbaus von Kompetenzen mit anderen wissenschaftsgeleiteten Zeitschriften zu teilen und unsere Vorgehensweise zur Diskussion zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ausgangslage<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Ausgangslage ist dabei folgende: Grunds\u00e4tzlich sperrt das Redaktionssystem ab OJS 3.2 nach der Ver\u00f6ffentlichung eines Artikels die Bearbeitungsm\u00f6glichkeit. Der Ist-Zustand von Artikel-Datei(en) sowie der Metadaten zum Zeitpunkt der Ver\u00f6ffentlichung wird auf diese Weise festgeschrieben. Dies ist einerseits w\u00fcnschenswert, denn zu guter wissenschaftlicher Praxis geh\u00f6rt die <a href=\"https:\/\/publicationethics.org\/case\/how-correct-published-paper\">&#8222;integrity of the publishing record&#8220;<\/a>. Sie ist ein wichtiger Faktor f\u00fcr die Vertrauensw\u00fcrdigkeit digitaler Publikationen.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Andererseits gibt es verschiedene Anl\u00e4sse, Artikel doch noch einmal \u00fcberarbeiten zu wollen: Diese reichen von Fl\u00fcchtigkeitsfehlern der Verfasser*innen oder der Redaktion, die im Lektorat \u00fcbersehen worden sind, bis hin zu wissenschaftlichem Fehlverhalten, das eine kommentierte Korrektur oder die R\u00fccknahme eines Artikels nach sich ziehen muss. Dar\u00fcber hinaus sind \u00c4nderungen und Fehler, die Pronomen und neue Vornamen betreffen, ein wichtiges Thema in unserer Redaktionspraxis, das zugleich einen Sonderfall darstellt: In vielen F\u00e4llen w\u00fcrde ein transparenter Umgang mit Namens\u00e4nderungen das Outing der betroffenen Person bedeuten. Ein sensibler Umgang mit Namens\u00e4nderungen ist ein besonderes Anliegen unserer Zeitschrift, betrifft aber auch im Kontext aktueller rechtlicher Entwicklungen alle wissenschaftlichen Publikationsorgane gleicherma\u00dfen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ab OJS-Version 3.2 stehen zwei M\u00f6glichkeiten der Korrektur zur Verf\u00fcgung: Versionierung und Depublikation. Beide M\u00f6glichkeiten haben unterschiedliche Auswirkungen auf die &#8222;integrity of the publishing record&#8220;. Wie diese durch OJS, aber auch die Redaktion abgemildert werden (k\u00f6nnen), wird im Folgenden diskutiert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Transparente Korrektur durch Versionierung<\/h2>\n\n\n\n<p>Sowohl Autor*innen als auch Redakteur*innen k\u00f6nnen im Redaktionsalltag Fehler machen. Ein konkretes Beispiel aus unserer Arbeit: Einer Autorin fiel nach der Ver\u00f6ffentlichung auf, dass sich trotz mehrere Korrekturschleifen in einer \u00dcberarbeitung ein fehl\u00fcbersetzter Begriff eingeschlichen hatte. \u00c4hnliche F\u00e4lle w\u00e4ren versehentliche Zahlendreher oder fehlerhafte Literaturangaben. Wenn ein solcher Fehler auff\u00e4llt, ist das Editorial Management erster Adressat f\u00fcr Korrekturw\u00fcnsche. Es koordiniert oder \u00fcbernimmt alle weiteren Schritte.<\/p>\n\n\n\n<p>Gem\u00e4\u00df der <a href=\"https:\/\/opengenderjournal.de\/publicationethics\">Publikationsethik<\/a> des Open Gender Journals werden unbeabsichtigte Fehler durch Versionierung korrigiert. Ihr entscheidender Vorteil ist die Nachvollziehbarkeit, die sowohl durch das Redaktionssystem als auch durch das Editorial Management gew\u00e4hrleistet wird.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Durch OJS werden auf der Artikelseite alle Versionen des Artikels mit ihren Ver\u00f6ffentlichungsdaten in einem Infokasten aufgef\u00fchrt und verlinkt, sodass Lesende die Unterschiede selbst nachvollziehen k\u00f6nnen. Dabei verhindert OJS Verwechslungen zwischen den Versionen: Die Artikel\u00fcbersicht verlinkt immer auf die aktuelle Artikelseite samt der Artikel-PDF, auch die DOI verweist dorthin. Wer im Infokasten (Abb. 1) eine \u00e4ltere Fassung ausw\u00e4hlt, wird durch einen Textkasten dar\u00fcber informiert, dass es eine aktualisierte Version gibt, die auch verlinkt ist. Ruft man dennoch die veraltete Artikel-Datei auf, wiederholt ein roter Banner den Hinweis (Abb. 2).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"260\" height=\"428\" src=\"https:\/\/blog.dini.de\/EPub_FIS\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/bild1.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3483\" srcset=\"https:\/\/blog.dini.de\/EPub_FIS\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/bild1.png 260w, https:\/\/blog.dini.de\/EPub_FIS\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/bild1-182x300.png 182w\" sizes=\"auto, (max-width: 260px) 100vw, 260px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abbildung 1: Infobox auf einer Artikelseite mit verlinktem Erratum und Versionierungshinweisen<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"894\" height=\"264\" src=\"https:\/\/blog.dini.de\/EPub_FIS\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/bild2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-3484\" srcset=\"https:\/\/blog.dini.de\/EPub_FIS\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/bild2.png 894w, https:\/\/blog.dini.de\/EPub_FIS\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/bild2-300x89.png 300w, https:\/\/blog.dini.de\/EPub_FIS\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/bild2-768x227.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 894px) 100vw, 894px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Abbildung 2: PDF-Ansicht einer zur\u00fcckgezogenen Artikelfassung mit Hinweisbanner<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>F\u00fcr inhaltliche Transparenz sorgt das Editorial Management: Es vermerkt in der Artikeldatei, dass es sich um eine korrigierte Fassung handelt und wann diese ver\u00f6ffentlicht wurde. Zus\u00e4tzlich zur korrigierten Datei wird entsprechend der <a href=\"https:\/\/publicationethics.org\/postpublication\">Empfehlung von COPE<\/a> ein Erratum hochgeladen, in dem die Korrektur erl\u00e4utert wird. Es enth\u00e4lt&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>die ge\u00e4nderte Textstelle in der Originalfassung mit einem Hinweis, wo diese Stelle im Artikel zu finden ist;<\/li>\n\n\n\n<li>die Textstelle in korrigierter Form;&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>eine Einsch\u00e4tzung, ob und wie sich die Korrektur auf die Aussage des Beitrags auswirkt, sowie<\/li>\n\n\n\n<li>eine ausf\u00fchrliche Zitationsangabe, um den eindeutigen Bezug sicherzustellen.<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>Diese transparente Korrektur ist f\u00fcr kleinere Fehler oder nicht-intendiertes Fehlverhalten passend. Allerdings gibt es auch F\u00e4lle, in denen die Originalfassung nicht l\u00e4nger verf\u00fcgbar bleiben soll. In diesen F\u00e4llen greift die zweite Korrekturm\u00f6glichkeit, die Depublikation.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Depublikation bei intendiertem wissenschaftlichen Fehlverhalten<\/h2>\n\n\n\n<p>Unter schwerwiegenden Fehlern oder intendiertem wissenschaftlichen Fehlverhalten, die einen R\u00fcckzug des Beitrags zur Folge haben k\u00f6nnen, verstehen wir \u2013 den <a href=\"https:\/\/publicationethics.org\/retraction-guidelines\">Retraction Guidelines von COPE<\/a> entsprechend \u2013 Plagiate, grobe Messfehler oder Datenmanipulation ebenso wie Verst\u00f6\u00dfe gegen Urheber- oder Pers\u00f6nlichkeitsrechte bei Abbildungen. In all diesen F\u00e4llen werden die zust\u00e4ndigen Redakteur*innen und Herausgeber*innen vom Editorial Management informiert und in den Prozess mit einbezogen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Technisch wird dabei zun\u00e4chst neben der Originalfassung auch die Artikelseite komplett aus dem f\u00fcr Leser*innen sichtbaren Bereich entfernt. Anders als bei der Versionierung gibt es systemseitig keine Transparenzhinweise. Der Nachteil liegt auf der Hand: Wer den Artikel sucht, kann nicht einsch\u00e4tzen, ob eine Entscheidung der Redaktion oder ein technischer Fehler Ursache ist. Und wer bisher noch nichts von dem Artikel wusste, bleibt unwissend. Diese Intransparenz kann nur das Editorial Management durch einen entsprechenden Hinweis ausgleichen. Daf\u00fcr stellt es im n\u00e4chsten Schritt die Artikelseite wieder online \u2013 ohne Artikel-PDF, stattdessen mit einem Depublikationsvermerk (&#8222;Retraction Note&#8220;), wie er auch von COPE in den <a href=\"https:\/\/publicationethics.org\/retraction-guidelines\">Retraction Guidelines<\/a> empfohlen wird. Analog zum oben beschriebenen Erratum enth\u00e4lt dieser Vermerk eine klare Identifikation des zur\u00fcckgezogenen Artikels sowie seiner Autor*innen und erl\u00e4utert, wer f\u00fcr die Depublikation verantwortlich ist und welche Gr\u00fcnde zu der Entscheidung gef\u00fchrt haben.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ungewollte Outings bei Korrekturen verhindern<\/h2>\n\n\n\n<p>In den acht Jahren seit der Gr\u00fcndung des Journals hat es noch keinen Fall gegeben, in dem intendiertes wissenschaftliches Fehlverhalten eine Retraction n\u00f6tig gemacht h\u00e4tte. Dennoch haben wir uns bereits daf\u00fcr entschieden, Artikel zur\u00fcckzuziehen: wenn in einem Beitrag trans, inter oder nichtbin\u00e4re Personen versehentlich mit ihrem abgelegten Vornamen oder falschen Pronomen genannt werden, entweder aus Unwissen oder weil die \u00c4nderungen erst nach der Ver\u00f6ffentlichung der Artikel vorgenommen wurden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach unserem beschriebenen Vorgehen liegt daher zun\u00e4chst die Korrektur per Versionierung nahe. Allerdings blieben dabei der <em>dead name<\/em>, also der abgelegte Vorname, und\/oder das falsche Pronomen in der \u00e4lteren Fassung f\u00fcr alle Lesenden sichtbar. Die falsch adressierte Person w\u00fcrde weiterhin misgendert, also mit einer Geschlechtsidentit\u00e4t genannt, die ihr nicht entspricht. Lesende k\u00f6nnten sogar erst durch diese Korrektur darauf aufmerksam werden, dass die Person trans, inter oder nichtbin\u00e4r ist \u2013 das Erratum w\u00e4re dann ein ungewolltes Outing durch das Journal. Dass ein solches Outing inakzeptabel ist, ist Konsens. Sowohl das mittlerweile abgel\u00f6ste Transsexuellengesetz als auch das neue Selbstbestimmungsgesetz enthalten ein &#8222;Offenbarungsverbot&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.bmj.de\/DE\/themen\/gesellschaft_familie\/queeres_leben\/selbstbestimmung\/selbstbestimmung_node.html\">Bundesministerium der Justiz: zum Selbstbestimmungsgesetz<\/a>). Dieses verbietet Zwangsoutings, um m\u00f6gliche Sch\u00e4digungen zu verhindern. Zwar bezieht sich das Offenbarungsverbot nur auf die Beziehung zwischen Staat und Einzelpersonen, dennoch zeigt sich daran, dass der Schutz der Betroffenen sehr hohe Priorit\u00e4t hat.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Ausgehend von diesen \u00dcberlegungen zieht das Editorial Management in den geschilderten F\u00e4llen die Originalfassung des Artikels zur\u00fcck und ersetzt sie durch eine korrigierte Neufassung. Systemseitig bleibt dies ohne Transparenzhinweise, auch das Editorial Management f\u00fcgt keine Erl\u00e4uterung hinzu. Allerdings zeichnen wir den Artikel auf dem Deckblatt als &#8222;korrigiert&#8220; aus, um zumindest minimal auf eine Abweichung hinzuweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Denkbar sind auch andere F\u00e4lle, in denen ungewollt personenbezogene Daten ver\u00f6ffentlicht wurden, sodass aus pers\u00f6nlichkeitsrechtlichen Gr\u00fcnden eine Depublikation n\u00f6tig ist. Bei einer erneuten Ver\u00f6ffentlichung des korrigierten Artikels darf der Fehler auch in diesen F\u00e4llen nicht reproduziert werden. Ihn allgemein zu benennen, outet aber nicht wie im vorangegangenen Beispiel eine Person als Teil einer diskriminierten Gruppe, sondern schafft Transparenz \u00fcber einen Fehler der Autor*innen und der Redaktion. Entsprechend w\u00fcrde das Editorial Management in einem beigef\u00fcgten Erratum allgemein darauf hinweisen, dass die Originalfassung aus pers\u00f6nlichkeitsrechtlichen Gr\u00fcnden korrigiert wurde, diese aber nicht weiter spezifizieren. Grunds\u00e4tzlich gilt f\u00fcr uns: Wenn es m\u00f6glich ist, Leser*innen in Form eines Erratums transparent zu informieren, ohne Pers\u00f6nlichkeitsrechte verletzen, kommen wir dem nach.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Metadaten \u00fcber Schnittstellen korrigieren<\/h2>\n\n\n\n<p>Unabh\u00e4ngig davon, welche \u00c4nderungsform gew\u00e4hlt und wie diese begr\u00fcndet wird, ist die Korrektur auf der Journal-Website nur der erste Schritt. Zus\u00e4tzlich muss man bei wissenschaftlichen Publikationen auch bedenken, dass die Metadaten von Beitr\u00e4gen&nbsp;\u00fcber verschiedene Schnittstellen geteilt werden. Kommt es zu einer \u00c4nderung, muss diese \u00fcberall erfolgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Open Gender Journal liefert Metadaten an DataCite, Directory of Open Access Journals (DOAJ) und die Deutsche Nationalbibliothek (DNB). Sowohl bei DataCite als auch bei DOAJ erfolgt die \u00dcbernahme der korrigierten Metadaten \u00fcber eine h\u00e4ndische Neuregistrierung der korrigierten Artikel \u00fcber die Schnittstellen in OJS. Etwas komplizierter ist das Vorgehen bei der DNB, wo neben den Metadaten auch das Artikel-Dokument zum Zweck der Langzeit-Archivierung \u00fcbertragen wird: Hierzu stellt das Editorial Management \u00fcber den Katalog eine Korrekturanfrage und \u00fcbermittelt anschlie\u00dfend die Metadaten sowie das Artikel-Dokument als Archivobjekt via OJS erneut. Dieser Vorgang dauert zwar l\u00e4nger als bei DataCite und DOAJ, funktioniert jedoch erfahrungsgem\u00e4\u00df zuverl\u00e4ssig.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Dar\u00fcber hinaus bietet OJS weitere Schnittstellen an, die vom Open Gender Journal nicht genutzt werden, die aber eigene An- und Herausforderungen stellen. Zu nennen ist dabei beispielsweise die SWORD-Schnittstelle, die OJS mit DSpace Repositorien verkn\u00fcpft, sowie die \u00f6ffentlich verf\u00fcgbare OAI-PMH Schnittstelle. Bei letzterer haben Journals keine Kontrolle dar\u00fcber, wer dar\u00fcber Metadaten sammelt und k\u00f6nnen so auch keine Aktualisierungen ansto\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Grunds\u00e4tzlich besteht der Anspruch, einmal publizierte Artikel unangetastet zu lassen. Das Open Gender Journal verfolgt deshalb das Ziel, Korrekturen nur in Ausnahmen und dabei so transparent wie m\u00f6glich vorzunehmen. Dabei l\u00e4sst sich bei keiner der beschriebenen Varianten komplett ausschlie\u00dfen, dass der korrigierte bzw. zur\u00fcckgezogene Artikel weiterhin in der urspr\u00fcnglichen Fassung zirkuliert. Wir k\u00f6nnen beispielsweise nicht verhindern, dass eine private Kopie eines Beitrags abgespeichert und sp\u00e4ter auf einer Lernplattform geteilt wird, obwohl es mittlerweile eine neue Fassung gibt. Lesende sollten jedoch, wann immer es ethisch vertretbar ist, dazu in die Lage versetzt werden, Versionen einzusehen und\/oder erg\u00e4nzende Dokumente zu finden, die aufschl\u00fcsseln, welche Textstellen wie und aus welchen Gr\u00fcnden ge\u00e4ndert wurden. Von dieser Orientierung an gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Transparenz weichen wir allerdings ab, wenn wir den Schutz der betroffenen Personen h\u00f6her bewerten als die Nachvollziehbarkeit f\u00fcr Dritte. Daher depublizieren wir in diesen F\u00e4llen die diskriminierende Textfassung und reproduzieren die entsprechende Textstelle nicht in einem Erratum.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der forschungsethische Umgang mit Fehlern in bereits publizierten Artikel ist eine Herausforderung, mit der sich die Herausgebenden und Redaktionen wissenschaftsgeleiteter Zeitschriften selbst intensiv auseinandersetzen m\u00fcssen. Dies erm\u00f6glicht jedoch, L\u00f6sungen zu finden, die dem Stand guter wissenschaftlicher Praxis sowie den publikationsethischen Anspr\u00fcchen der eigenen Community entsprechen und auf spezifische Herausforderungen reagieren, wie sie sich etwa am hier diskutierten Beispiel ge\u00e4nderter Namen und Pronomen ergeben. Mit Sicherheit l\u00e4sst sich die L\u00f6sung des Open Gender Journals nicht auf jede Zeitschrift \u00fcbertragen, die Open Journal Systems als Redaktionssystem einsetzt. Die Geschlechterforschung steht vor anderen Fach- und kontextspezifischen Herausforderungen als etwa Pharmazie, Mathematik oder Regionalstudien.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Thema Versionierung ist eines von vielen, das zeigt, dass f\u00fcr die Redaktionsarbeit in nicht-kommerziellen, wissenschaftsgeleiteten Open-Access-Modellen Ressourcen zur Verf\u00fcgung stehen m\u00fcssen, um sich intensiv in solche Fragestellungen einzuarbeiten, Policies zu entwickeln, die Vorgehensweise so zu dokumentieren, dass Verfahrensweisen unabh\u00e4ngig von einzelnen Personen genutzt und m\u00f6glichst auch mit anderen Zeitschriften geteilt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Autorinnen<\/h2>\n\n\n\n<p>Kathrin Ganz (Freie Universit\u00e4t Berlin, Margherita-von-Brentano-Zentrum, <a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0003-3968-3470\">https:\/\/orcid.org\/0000-0003-3968-3470<\/a>) arbeitet f\u00fcr das Fachrespositorium GenderOpen und leitet die Redaktion des Open Gender Journal.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Sabrina Schotten (Freie Universit\u00e4t Berlin, Margherita-von-Brentano-Zentrum, <a href=\"https:\/\/orcid.org\/0000-0003-3924-0303\">https:\/\/orcid.org\/0000-0003-3924-0303<\/a>) ist Teil des Editorial Managements des Open Gender Journals.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zitiervorschlag<\/h2>\n\n\n\n<p>Ganz, Kathrin; Schotten, Sabrina. &#8222;Integrit\u00e4t im wissenschaftlichen Publizieren: Der Ansatz des Open Gender Journals zu Artikel\u00e4nderungen&#8220;. Blog der DINI AGs, 2024. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.57689\/DINI-BLOG.20240805\">https:\/\/doi.org\/10.57689\/DINI-BLOG.20240805<\/a><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fu\u00dfnoten<\/h2>\n\n\n<ol class=\"wp-block-footnotes\"><li id=\"02576268-2951-4db9-ac97-e404a488f2bc\">Open Gender Journal \u2013 Expansionshilfe (Projektnummer 471748397): Projektleitung: Prof. Dr. Martin L\u00fccke, Margherita-von-Brentano-Zentrum, FU Berlin und Prof. Dr. Susanne V\u00f6lker, Zentrale Einrichtung Gender Studies in K\u00f6ln, Universit\u00e4t zu K\u00f6ln; Laufzeit 07\/2022 &#8211; 10\/2024. <a href=\"#02576268-2951-4db9-ac97-e404a488f2bc-link\" aria-label=\"Zur Fu\u00dfnotenreferenz 1 navigieren\">\u21a9\ufe0e<\/a><\/li><\/ol>\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dieser Beitrag \u2013 ausgenommen Zitate und anderweitig gekennzeichnete Teile \u2013 ist lizenziert unter der <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\/\">Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz<\/a> (CC BY 4.0).<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\/\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\"\/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu den wichtigsten Anforderungen an wissenschaftliches Publizieren &#8211; auch in digitaler Form &#8211;\u00a0geh\u00f6rt, dass die Ver\u00f6ffentlichungen integer im Sinne von unverletzlich, datenstabil und konsistent sind. 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