Der Diamond Open Access Standard (DOAS), der praktikable Kriterien für die Veröffentlichung wissenschaftlicher Zeitschriften festlegt, steht der Community jetzt auch auf Deutsch zur Verfügung. Die im DOAS formulierten Qualitätskriterien berücksichtigen über 70 aktuelle nationale und internationale Publikationsrichtlinien und wurden im intensiven Austausch mit der europäischen Diamond Open Access Community entwickelt. Für die Überprüfung des eigenen Publikationsservices mit dem DOAS wird ein Self-Assessment-Tool bereitgestellt.
Ein Dach, das Raum für Weiterentwicklung lässt –der European Diamond Capacity Hub
Der DOAS ist ein Service, der durch den European Diamond Capacity Hub (EDCH) gepflegt und fortgeführt wird. In einem Beitrag zum DINI-Blog wurde bereits im Februar 2025 anlässlich des Launches der Infrastruktur der EDCH vorgestellt. In einer hieran anknüpfenden Serie von Blogbeiträgen wurden im weiteren Jahresverlauf ausgewählte Bausteine und Services des EDCH der deutschsprachigen Community präsentiert.
Der EDCH ist ein Kollektiv, das darauf abzielt, die Qualität, Zugänglichkeit und Sichtbarkeit von Diamond-Open-Access-Diensten in der europäischen Forschung zu verbessern. Als Programm der Forschungsinfrastruktur OPERAS, der European Research Infrastructure for the development of open scholarly communication in the social sciences and humanities, dient der EDCH als Dachorganisation für bereits existierende und künftige nationale und disziplinäre Diamond Capacity Centres (DCC) in Europa. Der Launch des EDCH fand im Januar 2025 statt. Die zugehörigen Services werden aktuell schrittweise aufgebaut und in die EDCH-Struktur integriert. Jede farbig geschliffene Seite des Diamanten repräsentiert hierbei bildlich jeweils einen Service.

Abbildung 1: Services des EDCH. Präsentation von Johan Rooryck und Pierre Mounier im Rahmen der CRAFT-OA Conference (Quelle: Rooryck, J. & Mounier, P. (2025) The European Diamond Capacity Hub – Serving equitable Open Access publishing in Europe)
Nach dem Beitrag zum EDCH als Ausgangspunkt, der Registry und dem Forum als Herzstück des Hubs und dem Launch des Diamond Discovery Hub (DDH) folgt hiermit der Blogpost zum Diamond Open Access Standard. An der am 12. Januar 2026 veröffentlichten deutschen Übersetzung des Standards waren Sona Lisa Arasteh-Roodsary, Daniel Beucke, Saskia Brauns, Isabella Meinecke und Nanette Rißler-Pipka beteiligt.
Was ist der DOAS?
Der Diamond Open Access Standard (DOAS) ist eines der zentralen Ergebnisse des EU-geförderten Projektes DIAMAS (Developing Institutional Open Access Publishing Models to Advance Scholarly Communication). Er dient als Instrument der Qualitätssicherung für das Diamond OA Publizieren und umfasst sowohl einen Praxisleitfaden als auch Werkzeuge für die Leistungsanalyse des Services. In seiner Konzeption greift der DOAS die im Aktionsplan für Diamond Open Access (Ancion et al. 2022) formulierten sieben Kernkomponenten für wissenschaftliches Publizieren auf, die im Rahmen des DIAMAS-Projektes überarbeitet und modifiziert wurden. Sie stellen zugleich die sieben Themenfelder des DOAS dar:
- Finanzielle Förderung
- Rechtliches Eigentum, Leitbild und Organisation
- Open Science Praktiken
- Redaktionsmanagement, redaktionelle Qualität und wissenschaftliche Integrität
- Effizienz des technischen Dienstes
- Sichtbarkeit, Kommunikation, Marketing und Wirkung
- Chancengerechtigkeit, Diversity, Integration und Inklusion (EDIB), Mehrsprachigkeit und Gleichstellung der Geschlechter
Den sieben Schwerpunkten sind jeweils Unterkategorien mit verpflichtenden und erwünschten Anforderungen zugeordnet. Das Themengebiet “4. Redaktionsmanagement, redaktionelle Qualität und wissenschaftliche Integrität” umfasst beispielsweise die Unterkategorien
- Redaktionelle Gremien
- Peer Review
- Qualitätssicherung und
- Wissenschaftliche Integrität.
Insgesamt setzt sich der DOAS aus 100 Elementen zusammen. 53 dieser Elemente sind als ,erforderlich’ gekennzeichnet, da sie grundlegend für eine hochwertige Diamond OA Publikationspraxis sind. Hierzu gehören beispielsweise die Erklärung zur Veröffentlichung im Open Access, die Nutzung von offenen Lizenzen für uneingeschränkten Zugang oder Transparenz in Bezug auf Auswahlverfahren und die Zusammensetzung von Gremien. 47 Elemente sind als ‚erwünscht’ kategorisiert und stellen damit ergänzende Empfehlungen zur Qualitätsverbesserung dar. Sie umfassen unter anderem eine Leitlinie auf der Webseite des Publikationsdienstleisters für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz im Rahmen des Publikationsprozesses sowie die Garantie, dass die Publikationsplattformen verbreitete Austauschprotokolle für Metadaten und die meisten gängigen Metadatenschemata unterstützen.
Als Qualitätsstandard für Diamond OA trägt der DOAS dazu bei, die europäischen Diamond OA Communities zu professionalisieren und zu stärken. Damit ist der DOAS essentieller Teil von Bemühungen, die im Rahmen des EDCH darauf abzielen, eben diese Communities besser zu koordinieren, Kollaborationen zu fördern und effizienter zu gestalten. In diesem Sinne wurde der DOAS von den Mitgliedern des DIAMAS-Konsortiums bewusst ohne Autor:innen veröffentlicht, denn er gehört der Open Access Community, die ihn nutzen sowie weiterentwickeln darf und soll.
Die Entwicklung des DOAS verlief in mehreren Schritten. Der Standard wurde zunächst mit einem Fokus auf wissenschaftliche Zeitschriften entwickelt, wobei für die Ermittlung auch internationale Empfehlungen und Best-Practices für Buchpublikationen berücksichtigt wurden – für den deutschsprachigen Raum beispielsweise die Qualitätsstandards für Open-Access-Bücher der AG Universitätsverlage. Neben einer Literaturanalyse, die 71 Dokumente in zehn verschiedenen Sprachen berücksichtigte, gehörten zum Entwicklungs- und Evaluationsprozess des Dokuments eine Gap-Analyse, Fokusgruppen sowie eine gesonderte Review durch Expert:innen.
Wofür und für wen wurde der DOAS entwickelt?
Der DOAS dient institutionellen Publikationsdienstleistern als Vergleichsmaßstab und Ideal: Anbieter von Publikationsservices können durch das Self-Assessment Tool ihre Compliance mit dem Standard überprüfen und entsprechend den in der eigenen Einrichtung vorhandenen Kapazitäten ausgewählte Aspekte mit Hilfe der Zielvorgaben verbessern. Der Standard richtet sich mit einem Fokus auf wissenschaftliche Journals an alle Publikationsdienstleister, welche die Qualität des eigenen Service überprüfen und diesen entsprechend internationalen Empfehlungen und Best-Practices weiterentwickeln wollen. Publikationsdienstleister können für sich selbst entscheiden, ob sie ihren gesamten Dienst analysieren, ob sie Segmente ihres Programms mit ähnlichen Charakteristika (z. B. alle STM-Journals) oder einzelne Journals durchprüfen.
Wie kann man mitmachen und wie geht es weiter?
Um die Übereinstimmung des eigenen Publikationsservices und der zugehörigen Journals mit den Qualitätskriterien des DOAS zu überprüfen, steht ein intuitives Self-Assessment Tool zur Verfügung:

Abbildung 2: Visualisierung des DOAS Self-Assessment-Tool Workflows (Quelle: DIAMAS-Project)
Nach der Registrierung besteht die Möglichkeit zwischen zwei Themen für eine Analyse zu wählen
- dem Sustainability-Check, einer weiteren Entwicklung des DIAMAS-Projektes, mit dem die finanzielle Nachhaltigkeit des eigenen Services geprüft werden kann sowie dem
- DOAS-Self-Assessment zur Prüfung der Übereinstimmung mit den Qualitätskriterien.
Nachdem man den strukturierten Fragebogen zu den sieben verschiedenen Themengebieten mit den jeweiligen Unterkategorien ausgefüllt hat – dies ist auch in mehreren Sitzungen möglich – kann am Ende ein detaillierter Bericht angefordert werden. Dieser stellt neben der schriftlichen Auswertung auch eine Visualisierung der Ergebnisse zur Verfügung.

Abbildung 3: Screenshot DOAS Self-Assessment Report (Quelle: DIAMAS-Projekt)
Praktischerweise stellt das Tool darüber hinaus die Ergebnisse früherer durchgeführter Self-Assessments für einen direkten Vergleich bereit.

Abbildung 4: Screenshot Vergleich DOAS Self-Assessment Ergebnisse (Quelle: DIAMAS-Projekt)
Wie erwähnt, liegt die Entscheidung, ob der gesamte Dienst analysiert, nur ausgewählte, ähnliche Bereiche des Programms oder nur ein einzelnes Journal geprüft werden sollen, bei dem Publikationsdienstleister. Die Praxis hat gezeigt, dass es sich empfiehlt, vor dem Self-Assessment zu entscheiden, welchen Anteil des Service man analysieren will und gegebenenfalls mehrere Durchläufe für Serviceanteile vorzunehmen, die zu große Unterschiede in Hinblick auf finanzielle Ausstattung oder Redaktionsmodelle aufweisen.
Wenn Nutzer:innen im Rahmen der eigenen Publikationstätigkeit ein Aspekt auffällt, welcher durch den DOAS nicht abgedeckt wird oder bei der Nutzung des DOAS bzw. des Self-Assessment Tools Probleme auftreten, sind Ideen und Verbesserungsvorschläge sehr gern gesehen und willkommen (Mailadresse für Rückmeldungen: diamas@fecyt.es. Vielen Dank!).
Weiterlesen
Bisher steht der DOAS neben Englisch nur auf Deutsch zur Verfügung, es sind aber bereits weitere Übersetzungen in andere europäische Sprachen in der Vorbereitung. Weiterführende Informationen zum EDCH bietet der DINI-Blogbeitrag „Der European Diamond Capacity Hub: Die Facetten des Diamanten beginnen zu funkeln“ sowie der Webauftritt des EDCH. Neben der Übersetzung des DOAS ins Deutsche ist darüber hinaus auch eine Übersetzung des Self-Assessment Tools geplant.
Für die Auseinandersetzung mit den Grundlagen des DOAS bietet die Publikation von Rico-Castro et al. (2024) zum “Extensible Quality Standard in Institutional Publishing (EQSIP)” ausführliche Informationen.
Die Guidelines für IPSPs (Institutional Publishing Service Provide/ Institutionelle Publikationsdienstleister) wurden gemeinsam von den Mitgliedern der Projekte DIAMAS und CRAFT-OA (Creating a Robust Accessible Federated Technology for Open Access) entwickelt. Diese stellen umfassende Hinweise bereit, um Publikationsdienstleister dabei zu unterstützen, die Anforderungen des DOAS zu erfüllen.
Da sich gezeigt hat, dass viele Reakteur:innen von Journals Schwierigkeiten haben, die Kriterien des DOAS auf der Ebene der einzelnen Journals anzuwenden, wurde ergänzend ein Leitfaden entwickelt, welcher die DOAS-Anforderungen aus der Perspektive einzelner Journals in den Blick nimmt, um die Umsetzung und damit die Verbesserung der Veröffentlichungsqualität zu erleichtern.
Literaturverzeichnis
Ancion, Z., Borrell-Damián, L., Mounier, P., Rooryck, J., & Saenen, B. (2022). Action Plan for Diamond Open Access. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.6282403
Ancion, Z., Borrell-Damián, L., Mounier, P., Rooryck, J., & Saenen, B. (2023). Aktionsplan für Diamond Open Access (Deutsche Übersetzung). Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.7645563
Arbeitsgemeinschaft der Universitätsverlage. (2022). Qualitätsstandards für Open-Access-Bücher (2. Aufl.). Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.7075761
Armengou, C., Bowker, L., Coslado, M. Á., Kuchma, I., Laakso, M., Melinščak Zlodi, I., de Pablo Llorente, V., Pölönen, J., Redhead, C., Rooryck, J., Ševkušić, M., Souyioultzoglou, I., Stojanovski, J., & Stone, G. (2024). D4.3 – IPSP Guidelines (1.0). Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.13786094
Consortium of the DIAMAS Project. (2025). Diamond Open Access Standard (DOAS) Guide for Journals (2.0). Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.15128202
Heyer, K., & Varachkina, H. (2025). Offizieller Start des Diamond Discovery Hub: Mehr Sichtbarkeit für Diamond Open Access-Zeitschriften. Deutsche Initiative für Netzwerkinformation. https://doi.org/10.57689/DINI-BLOG.20251208
Müller, K., Müller, L., Klaus, T., Waldmann, T., Varachkina, H., Dreyer, M., & Bargheer, M. (2025). Der European Diamond Capacity Hub: Die Facetten des Diamanten beginnen zu funkeln. Deutsche Initiative für Netzwerkinformation. https://doi.org/10.57689/DINI-BLOG.20250217
Müller, L., Bargheer, M., Klaus, T., Müller, K., Varachkina, H., & Waldmann, T. (2025). Das Herzstück des EDCH – die Registry und das Forum. Deutsche Initiative für Netzwerkinformation. https://doi.org/10.57689/DINI-BLOG.20250901
Rico-Castro, P., Rooryck, J., Melinščak Zlodi, I., Stojanovski, J., Ševkušić, M., & Armengou, C. (2024). D3.2 Extensible Quality Standard in Institutional Publishing (EQSIP) V2.0 for Diamond Open Access (1.0). Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.10726731
Rooryck, J., & Mounier, P. (2025, Oktober 29). The European Diamond Capacity Hub – Serving equitable Open Access publishing in Europe. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17472120
Autorinnen
Tabea Klaus, SUB Göttingen (https://orcid.org/0000-0002-2791-1053),
Margo Bargheer, SUB Göttingen (https://orcid.org/0000-0001-8246-8210),
Sona Arasteh-Roodsary, OPERAS (https://orcid.org/0000-0002-5725-1922),
Katharina Müller, SUB Göttingen (https://orcid.org/0000-0003-4212-8208),
Lisa Müller, SUB Göttingen (https://orcid.org/0009-0008-3029-1888)
Außer Sona Arasteh-Roodsary, die für die Forschungsinfrastruktur OPERAS arbeitet, sind alle Autorinnen dieses Blogbeitrags an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen (SUB Göttingen) tätig und arbeiten, u. a. im Rahmen verschiedener EU-Projekte, in der Gruppe “Elektronisches Publizieren”.
Förderhinweis
Die Projekte DIAMAS und CRAFT-OA werden von der Europäischen Union finanziert, DIAMAS unter der Fördernummer 101058007, das Projekt CRAFT-OA unter der Fördernummer 101094397. Die geäußerten Ansichten und Meinungen entsprechen jedoch ausschließlich denen der Autor:innen und spiegeln nicht zwingend die Ansichten der Europäischen Union oder der Europäischen Kommission wider. Weder die Europäische Union noch die Fördereinrichtung können dafür verantwortlich gemacht werden.

Zitiervorschlag
Klaus, Tabea, et al.: “Der Diamond Open Access Standard” Deutsche Initiative für Netzwerkinformation, 2025. https://doi.org/10.57689/DINI-BLOG.20260119.
Dieser Beitrag – ausgenommen Zitate und anderweitig gekennzeichnete Teile – ist lizenziert unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz (CC BY 4.0).


Ein kleiner Nachtrag zum Blogbeitrag: Nur wenige Tage nach der Veröffentlichung der Übersetzung des DOAS ins Deutsche ist der Diamond Open Access Standard jetzt auch auf Französisch, Polnisch und Serbisch verfügbar. Die Übersichtsseite mit den Links zu allen Übersetzungen: https://diamas.org/services