Die DINI AG Forschungsinformationen & Systeme (FIS) begrüßt die Initiative des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) zur Online-Konsultation „Fahrplan für Open Data“.
Als zentraler Ansprechpartner der deutschen Forschungsinformations-Community seit mehr als 15 Jahren verfolgt die DINI AG FIS die Entwicklung von Standards, Interoperabilität und nachhaltigen Infrastrukturen im Bereich Forschungsinformationssysteme mit hoher Relevanz für die nationale und internationale Wissenschaft.
Forschungsinformationen – insbesondere Metadaten zu Forschungsprojekten, Publikationen, Forschungsdaten, Software, beteiligten Akteuren und Forschungsinfrastrukturen – sind ein zentraler Bestandteil einer modernen, transparenten und nachhaltigen Wissenschaft. Internationale Entwicklungen – z.B. im Kontext der Barcelona Declaration on Open Research Information – zeigen, dass die offene Bereitstellung von Forschungsinformationen als zentraler Bestandteil einer Open-Science-Strategie verstanden werden muss. Die 2024 veröffentlichte Barcelona Declaration, die mittlerweile von rund 150 Organisationen aus 35 Ländern unterzeichnet wurde, verpflichtet sich zu einer offenen, nachhaltigen und nachnutzbaren Bereitstellung von Forschungsinformationen.
Die DINI AG FIS vertritt die Auffassung, dass die Weiterentwicklung des strategischen Rahmens für Open Data in Deutschland die offene, interoperable und nachhaltige Zugänglichkeit von Forschungsinformationen adressieren muss. Die aktuelle Situation in Deutschland weist erhebliche Defizite auf, die die Realisierung dieses Ziels behindern. Im Rahmen der Konsultation empfehlen wir die Verbesserung der Rahmenbedingungen für offene Forschungsinformationen:
- Ein zentrales Forschungsinformationsgesetz auf Bundesebene sollte einen Rechtsanspruch auf die Veröffentlichung von lizenzfreien Metadaten im Falle öffentlicher Forschungsförderung sicherstellen.
- Der Aufbau eines nationalen, eines Deutschen Forschungsinformationssystems (DE-FIS) ist anzustreben.
- Alle Forschungsinformationen, die im Rahmen öffentlich geförderter Forschung erstellt und veröffentlicht werden, sollten verpflichtend unter einer offenen Lizenz zur Verfügung gestellt werden.
- Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) und das BMDS sowie alle forschungsfördernden Einrichtungen im Bund sollten die Barcelona Declaration on Open Research Information unterzeichnen und offiziell unterstützen und sich sich verpflichten, die Prinzipien offener Forschungsinformationen in ihr Förder- und Verwaltungshandeln zu integrieren.
Offene Forschungsinformationen entfalten ihren Wert dabei weit über die Wissenschaft hinaus. Sie sind ein unmittelbarer Hebel auch für den Wissens- und Technologietransfer in die Wirtschaft: Können Unternehmen strukturiert auf Projektmetadaten und Kompetenzprofile zugreifen, verkürzen sich Anbahnungswege für Kooperationen erheblich, und Innovationen aus der Forschung erreichen schneller die Anwendung. Zugleich liegt in der systematischen Bereitstellung von Forschungsinformationen durch den Bund ein erhebliches Potenzial zum Bürokratieabbau: Werden Projektdaten einmal zentral erfasst und offen nachnutzbar gemacht, entfällt die mehrfache manuelle Eingabe identischer Informationen in verschiedene Systeme – eine spürbare Entlastung für Forschende und Forschungsadministration gleichermaßen, ganz im Sinne eines Once-Only-Prinzips.
Zur konkreten Umsetzung sollten folgende Maßnahmen im „Fahrplan für Open Data“ verankert werden:
- Schnittstellen-Pflicht für Bundesbehörden: Alle Organisationen des Bundes, die Forschungsförderung betreiben, müssen Metadaten aus Systemen wie PROFI (Antrags- und Durchführungsdaten) und PROMO (Programm-Monitoring) über eine API in maschinenlesbarem Format und unter freier Lizenz bereitstellen.
- Pilotprojekt „Forschungsinformations-Aggregator“: Bereitstellung von Mitteln für ein Pilotprojekt, in dem Projektmetadaten von bundesweit tätigen Förderern erstmals aggregiert und öffentlich zugänglich gemacht werden.
- Förderung von digitaler Infrastruktur: Förderprogramme des BMFTR und des BMDS für Forschungsinformationssysteme müssen aufgestellt werden, um Forschungseinrichtungen und Forschungsinfrastruktureinrichtungen bei der technischen Umsetzung der Datenherstellung, -kuratierung und -bereitstellung zu unterstützen.
- Der KDSF wird für alle Berichtsanforderungen des Bundes verwendet. Bundeseigene Veröffentlichungen von Forschungsinformationen (z.B. FOEKAT) werden auch dem KDSF angeglichen.
- Das BMFTR fördert die in den Zielvorgaben beschriebene Förderlinie zu Forschungsinformationen.
Die Stellungnahme mit den Fragen der Online-Konsultation, unsere Antworten nebst einer einführenden Vorbemerkung finden Sie hier: https://doi.org/10.5281/zenodo.22900800.
Außerdem hoffen wir am 24./25. November auf der Conference of the Barcelona Declaration on Open Research Information in Berlin 2026 unter dem Motto „Aligning policy and practical implementation“ sowie dem – von der DINI AG FIS mitveranstalteten – deutschsprachigen Vernetzungstreffen „Offene Forschungsinformationen in Deutschland“ (https://events.hifis.net/event/4638/) am 26.11. über die Verbesserung der hiesigen Situation mit vielen Stakeholdern und Akteuren ausgiebig diskutieren zu können.
Zitiervorschlag
Huschke, Christian “Stellungnahme der DINI AG Forschungsinformationen & Systeme (FIS) zur Online-Konsultation „Fahrplan für Open Data“ des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS)” Deutsche Initiative für Netzwerkinformation, 2026. https://doi.org/10.57689/DINI-BLOG.20261028.
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